Freitag, 31. Januar 2014

Narwalflüsterer

Serge Richi, der Galerist im Marchée Bonsécour hat mir beim letzten Treffen ein Kunstwerk eines anderen Künstlers zur Fertigstellung mitgegeben. Es war eine Arbeit aus einer sehr großen Geweihstange, recht unhandlich und auch schwer. Deshalb war meine Begeisterung, die Finissage dieses Stückes zu verantworten, doch erstmal ziemlich gering. Die Bezahlung war jedoch okay und als er mir auf die Frage, weshalb der Inuit sein Werk nicht selbst vollendet, antwortete, der Künstler würde wohl immer noch im Gefängnis hocken, habe ich das Ding mitgenommen.


Es war eine sehr schöne Arbeit. Ein Inuit mit einem Narwal auf dem Kopf, der in der einen Hand  wiederum einen Narwal hält und mit der anderen einen Schlitten zieht auf dem eine Meerjungfrau sitzt, die ebenfalls einen Narwal auf dem Kopf balanciert. Um die Beine des Inuit schlingt sich eine Robbe und zu dessen Füssen tummeln sich ein Walroßkopf, ein Eisbärenkopf und der Kopf eines weiteren Inuit.
 
Abgesehen davon, dass die Oberflächenbearbeitung, die oft 50% der Zeit des gesamten Herstellungsprozesses darstellt, wirklich sehr rudimentär durchgeführt worden war und es daher viel zu tun gab, war es ziemlich interessant zu sehen, wie der Künstler gearbeitet hat.

Was mir an der Inuitkunst besonders gefällt ist die Tatsache, das auch sie die Stücke aus ihrer Ursprungsform heraus bearbeiten. So bleibt dem Betrachter nicht vorenthalten, dass es sich hier beispielweise um Geweih handelt. Das Kunstwerk wird in die organische Form gebracht, die das Material verlangt, jede einzelne Gabelung in der Geweihstange wird bei der Umsetzung miteinbezogen. So versuche ich auch immer zu arbeiten. Lernen kann ich auch von der unglaublich großen Phantasie, die diese Werke demonstrieren. Nichts ist unmöglich, alles läßt sich miteinander verbinden und vereinen. Schwung und Dynamik sind dabei nur weitere Punkte, die diese Art von Kunst so faszinierend macht.

Es gibt manchmal auch Vereinfachungen, die ich dann auch mal ausprobiere. So sind die Augen oft nur kleine gebohrte Löcher. Während meiner Lehrzeit war das absolut tabu, man bohrt in die Augen seiner Figuren keine Löcher, um damit die Pupille anzudeuten. Das hat aber dazu geführt, dass die Augen oft matt erscheinen.
Ich habe also bei meinen neueren Figuren jetzt auch mal die Bohrungen ausprobiert und es sieht gar nicht schlecht aus. Hier allerdings jetzt erstmal ein paar Bilder vom "Narwalflüsterer".

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